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2017

Von Björn Uhde | bj. Hamburg – Das neue Jahr steht vor der Tür. 2017. Wo stehen wir? Kurz vor der Selbstaufgabe. Hat man in manchen Facebook-Kommentarspalten den Eindruck. Dabei liegen die Themen auf der Straße. Zusammenhalt statt Spaltung. Menschlichkeit statt Verachtung. Solidarität statt Egoismus. Und ja, natürlich gilt, bei aller beißenden, polemischen und oft in Schlagworten daherkommenden Kritik: das berühmte Körnchen Wahrheit findet sich dort irgendwie schon drin.

In Worte fassen muss man diese Kritik aber. Eine Gesellschaft im Gesamten kann sich nur verbessern mit den richtigen Ideen, den spannenden Vorschlägen, den aufregenden – und neuen! – Standpunkten.

Formuliert man die zynisch und sarkastisch verpackt in Facebook-Kommentarspalten, vielleicht sogar unter 140 Zeichen Twitterlänge, mutiert man damit maximal zu “Ekel Alfred”, das mit hunderttausenden weiteren Ekeln im Grunde nur eins produziert: verdammt schlechte Stimmung.

Am Ende denkt sich der normale Bürger: “Was sind das für Leute, selbst in der SPD, die die Partei so runterziehen…?” Das Einzige, was ihr damit macht: Politikverdrossenheit multiplizieren. Die SPD unbeliebt machen. Im schlimmeren Fall: Leute zu anderen Parteien treiben. Im schlimmsten: zur AfD, die die “Alternative” ja schon im Namen tragen. Motto: “Merkel mag ich nicht, die SPD sagt nur, wie scheiße sie selbst ist, die Zeiten werden schwieriger, wir brauchen vielleicht wirklich ganz neue Leute…” Und, ehrlich: unverbraucht ist derzeit nur die AfD. Wenn auch mit üblen, verachtenden und miesen Konzepten. Interessiert das den, der gerade eh sauer ist, der keinen Bock mehr hat und Tageszeitungen nur im Vorbeilaufen liest und sonst regelmäßig Schreckensmeldungen von “den Flüchtlingen” in die eigene Facebook-Timeline gespült bekommt? Antwort: Nein.

In diesen Zeiten, gerade im nächsten Jahr, geht’s um viel. Demokratie ist kein irreversibler Zustand. Genausowenig die offene, freie, multikulturelle und grenzenlose Gesellschaft, diese Welt, in der wir alle – trotz unterschiedlicher Standpunkte – so gern leben.

Dirk Kurbjuweit schrieb in seinem großartigen Essay “Wohin mit dem Hass?” über das “Epochenjahr 2016” auf SPIEGEL PLUS so treffend: “Das ist die Lehre dieses Jahres: Wer die Demokratie erhalten will, muss rausgehen, muss schreiben, muss reden.”

Und genau das wünsche ich mir. Hört auf, über “die da oben” zu meckern. Stoppt das Hände-überm-Kopf-zusammenschlagen. Das “#Waskannichschonausrichten?”. Ihr seid kein undefiniertes “Wahlvolk”. Ihr seid Multiplikatoren und vor allem: wichtigste Stimmen. Auf euch kommt es an.

Richtig ist aber auch: Es kommt kein Heiland. Nein, auch Justin Trudeau, den schönen Premierminister Kanadas, können wir nicht klonen. Und, bevor es jetzt gleich kommt: auch Willy Brandt ist (und bleibt aller Voraussicht nach) tot. Gleiches gilt für Helmut Schmidt.

Wer aber lebt und diese Zeit gestalten und damit unsere Zukunft formen kann, das seid ihr. Genaugenommen: Du.

Du bist der oder diejenige, der den Unterschied macht. Frag nicht, was die da oben für dich tun können – frag, was du für die SPD tun kannst. Oder wie deine Ideen diese Gesellschaft besser machen können. Und tu es dann auch.

Gestalte. Nimm deine Kritik, packe sie in Worte, schicke sie an Deine SPD. Veröffentlichung garantiert.

Deine Meinung. Deine Ideen. Ohne Abstrich. Und vielleicht Dein Anstoß für eine breit angelegte, gesellschaftliche Debatte.

Fang an, indem du dich hinsetzt, an einem ruhigen Samstag, und aufschreibst, was Dich bewegt. Oder über das letzte SPD-Treffen. Oder Dein Ehrenamt vor Ort, bei den Schützen, der Feuerwehr oder den Johannitern. Werfe selbst das Schlaglicht auf Ungerechtigkeiten (z.B. den Pflegenotstand) und schreibe darüber.

Geh raus.
Schreibe.
Rede.

Mach den Unterschied. Oft reicht genau das, um einen Tropfen zum Überlaufen zu bringen – und eine lang schwelende Debatte zu der Aufmerksamkeit zu verhelfen, die ihr gebührt. Sei es der #aufschrei – oder mein Artikel über “Mister Zickzack” letztes Jahr.

Es ist teilweise wahnwitzig, wie wenig notwendig ist, um Veränderungen zu erreichen. Manchmal reichen drei Kommentare von Bürgern aus, um eine AfD-Werbung in einer lokalen Facebookgruppe zu stoppen (der, der sie reingestellt hat, löschte sie auffallend schnell). Und manchmal reichen 20 Minuten, eine Meinung zu formulieren – die dann, unversehens, deutschlandweit Widerhall findet.

Zeigt, was in euch steckt. Debattiert, kritisiert, seid kreativ, macht uns klar, wo der Schuh drückt und zeigt, was zu tun ist.

Das hier ist Demokratie. Feiert sie mit euren euphorischen, nachdenklichen, kritischen, lustigen, ungeduldigen und geistreichen Worten.

Starten wir, 2017?

Björn Uhde

ist Herausgeber von Deine SPD

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