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Silvesterbrief

Von Ulrike Blatter | ub. Gottmadingen – Liebe Freunde, Freundinnen und (Wahl)Verwandte,

einige von Euch haben in diesem Jahr auf die gewohnte handgeschriebene Weihnachtspost von “Blatters” verzichten müssen. Kurz vor Weihnachten ging es bei uns nämlich ziemlich turbulent zu, und da sich Unfälle und andere Unannehmlichkeiten leider weder planen noch aufschieben lassen, hatte ich kaum Zeit zum Kartenschreiben, sondern saß stundenlang in der Notaufnahme, in Wartezimmern oder hing am Telefon … Aber Schwamm drüber, alles ist wieder in trockenen Tüchern bzw. im Gips und nun habe ich auch Zeit, Euch zu schreiben. 🙂

Privat war bei uns auch sonst so einiges los: Anne begann ihre Ausbildung zur Konditorin und Andrej machte die Mittlere Reife, um nach kurzer Verschnaufpause gleich in die Ausbildung als Hotelfachmann zu starten. So waren unsere Kids also fast gleichzeitig ausgeflogen, aber unser „Nest“ ist beileibe nicht leer: Unsere Deutschschüler und sonstigen Nachhilfeschüler sorgen dafür, dass die Lehrbücher für Mathe, Englisch und Naturwissenschaften immer noch regelmäßig aufgeschlagen werden. Und soooo weit weggeflogen sind unsere Kinder dann auch nicht: in der Waschküche landen immer noch Sohnemanns Jeans und für Papas Apfelstrudel kommen alle immer wieder gern nach Gottmadingen. 😉

2016 war ein wirklich atemberaubendes Jahr – und dies nicht nur aus privaten Gründen.

Spätestens seit den Landtagswahlen im März habe ich mich auch politisch ziemlich ‚reingehängt‘. Terroranschläge, Fremdenhass und eine zunehmende Verrohung der Sprache prägten den öffentlichen Diskurs.

Gleichzeitig muss ich Euch allen ein ziemlich dickes Kompliment machen: während rund um uns der Shitstorm tobte, zeigte sich, dass es in den öffentlichen Räumen, die ich z.B. auf Facebook zum gegenseitigen Austausch anbiete, ziemlich gesittet zuging. Und dies, obwohl meine Leser und Leserinnen und Diskutanten ein sehr kontroverses Spektrum abbilden. Trotzdem musste ich in diesem Jahr kaum jemanden blockieren oder von meiner Freundesliste streichen – fast alle hielten sich an die Regeln von Anstand und Netiquette.

Das hat mir Mut gemacht, diese offene Diskussionsplattform weiter anzubieten. Gleichzeitig habe ich die Idee eines politischen Blogs wieder aufgegriffen und schreibe mittlerweile ziemlich regelmäßig meine Internet-Kolumne, die mit einer gewissen Distanz auf das aktuelle Zeitgeschehen blickt. Von Satire bis Analyse findet sich dort einiges.

So schwierig und teilweise beängstigend sich 2016 auch zeigte, es gibt auch viel Positives zu berichten, ja teilweise war es so, dass ein Hindernis (zum Beispiel meine drei gebrochenen Rippen) sich im Nachhinein als Glücksfall erwiesen: unsere ursprünglich als Spendenlauf geplante Alpenquerung fiel aus – aber stattdessen erfuhr die “Holiday Challenge 2016” zugunsten der “vergessenen Kinder in Bosnien” eine solche Unterstützung, dass wir sage und schreibe 2224 Kilometer zurücklegten und so nebenbei jede Menge Spaß hatten. Das war beeindruckend und inspirierend.

Selbstverständlich geht die Arbeit in Bosnien weiter. Unsere Spender und Spenderinnen bekommen regelmäßig einen Newsletter, in dem berichtet wird, wofür wir die Spendengelder einsetzen.
2017 werden Joachim und ich die Idee eines Spendenlaufes noch einmal aufgreifen – allzu viel will ich noch nicht verraten, da wir aktuell mitten in der Planungsphase stecken. Aber so viel ist sicher: Wir werden auf jede Menge Mutmacher und Mutmacherinnen angewiesen sein und hoffen sehr auf Eure Begeisterung!

Als Eltern flügger Kinder wachsen auch uns wieder Reiseflügel und so werden wir in Zukunft (wieder) mehr unterwegs sein – Reisen, Gastfreundschaft und längere Auslandsaufenthalte prägten ja unsere Beziehung von Anfang an und erklären vielleicht auch den interkulturell offenen Blick, mit dem wir in die Welt schauen.

Last but not least möchte ich auch noch meine Bücher erwähnen. Am Roman “Vor dem Erben kommt das Sterben“ habe ich insgesamt vier Jahre gearbeitet und er wäre ohne den Zuspruch meiner Leser und Leserinnen wohl nie als Taschenbuch erschienen. “Zu ungewöhnlich.” und “Zu wenig Krimi“, so lauteten die Ablehnungsgründe der Verlage. Ich hatte aufgehört, die Absagen zu zählen und dann war es fast wie ein Wunder: das probeweise hochgeladenen E-Book des Romans stieß auf begeisterte Resonanz. Mittlerweile gibt es den Roman auch in einer wunderschön gestalteten Taschenbuchausgabe und mir bleibt nur eins: Danke zu sagen, an alle, die das möglich gemacht haben!

Mein Kurzgeschichtenband mit “Weihnachtsgeschichten vom Bodensee“ kommt bescheidener daher, ein Büchlein zu Vorlesen und der leisen Zwischentöne. Dass ich auch hier den richtigen Ton gefunden habe, als ich mit viel Bauchgefühl und Herz meinen Weihnachtserinnerungen nachging, beweisen mir die vielen begeisterten Rückmeldungen meiner Leser und Leserinnen, die oft noch die ein oder andere Anekdote anhängen.

So schließt sich nun der Jahreslauf. Es war ein anstrengendes und oft trauriges Jahr, das uns allen einiges abverlangt hat. Dennoch haben sich viele Dinge geklärt. Positionen wurden bezogen und Gespräche eröffnet, die noch lange weitergeführt werden. Sprache und Schreiben sind mein Metier und ich werde schauen, wie und welche Worte ich auch in Zukunft finden werde. Worte für Euch!

Und ich warte auf Eure Antworten und Fragen – die sind mir nämlich immer willkommen! Ach so, einen habe ich doch tatsächlich vergessen: Unseren Django. Zu ihm gibt’s nur ein Wort: Läuft. 🙂

Herzliche Grüße aus dem Schreibstübchen,

Eure

Ulrike Blatter

ist Ärztin und freie Autorin

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